Niemand würde sich jemals an sie erinnern, wenn sie einmal tot wäre. Sie war so unbedeutend wie eines von abertausenden von Staubkörnern, die sich regelmäßig auf ihrem Bücherregal zu einer ganzen Schicht zusammenschlossen. Sie sahen alle gleich aus udn durch einen einzigen Wisch waren sie verschwunden und vergessen. Wie auch sie, Mina. Welchen Zweck erfüllte ihre Existenz denn? Den wenigen Leuten, die sich ihrer Person mehr oder weniger bewußt waren, bedeutete sie nichts. Es gab niemanden, der in einigen Jahren von seiner Freundin Mina erzählen würde, was für ein wetvoller und wichtiger mensch sie war. Und sie selbst würde niemals Enkelkinder  geschweige denn Kinder haben können, in welchen sie fortleben würde, denn dafür war es schon lange zu spät. Magersucht ist noch immer die beste Verhütungsmethode der Welt und mit ihren 41 Kilo auf 1.73 Meter reichte die Kraft ihres Körpers kaum aus, um ihre essentiellen Lebensfunktionen aufrecht zu erhalten. Wozu also die ganze Quälerei (auch Leben genannt)? Jeden Morgen aufwachen und bedauern,dass das Herz noch schlägt, dieselbe verhasste Hülle von Körper einen umgibt, mit welcher man sich am Vorabend schalfen legte. Sie will nicht aufstehen, sehnt den Abend herbei, wenn die Konvention es ihr erlaubt, wieder ins Bett zu gehen. Ihr leben war eine einzige sinnlose Folter, doch sie hatte etwas gefunden, das ihr Halt, Kraft und Stärke gab. Die Freundin, die sie nie hatte. Ana. Sie liebte und sie hasste sie. Gleichwohl Ana ihr das Leben noch mehr erschwerte, steckte sie ind iese Beziehung all ihre Energie. Plötzlich gab es einen temporären Sinn zu leben: Kämpfen! Den ganzen Tag! Gegen Schwäche und gegen Essen! Stündlich auf die geliebt gehasste Waage steigen und am Abend mit einem der unendlichen Leere und gleichzeitig des puren und reinen Stolzes ins Bett zu gehen. Sie ist stark geblieben. Hat nichts gegessen. Hat gegen den Feind gekämpft. Sie war doch nicht so wertlos. "Mina, Mina. Wenigstens zu etwas bist du fähig." In ihrer Einsamkeit, die neben Ana ihre ständige Begleiterin ist, beginnt sie mit sich selbst - und mit Ana - zu reden. Es hilft ihr stark zu bleiben. Früher hat sie es gehasst allein zu sein, wenn ihre Mutter im Krankenhaus eine Doppelschicht fuhr, zu tagelangen Konferenzen in irgendwelech Landeshauptstädte ging oder an der Universität Vorlesungen hielt. Doch nun geniest sie es, erträgt die Anwesenheit der Mutter nicht mehr. Oder die von Freunden. Denn dann muss sie sich immer eine dieser scheußlich schlecht sitzenden Masken anlegen, die im Laufe des Beisammenseins anfangen würden zu kratzen - bis zur Unerträglichkeit rezen und jucken, was sie beinahe in den Wahnsinn treibt. Vielleicht hatten einige Freunde bemerkt, wie sehr sie sich in den vergangenen 18 Monaten verändert hat, doch sie messen dem sicherlich kaum Bedeutung bei......sie sind blind! Niemals würden sie die wahre Mina sehen können. Die Mina, welche sich hinter der Maske verbarg. Doch sie  bedeutet ihnen ohnehin nichts. Alles was zählt ist der Schein. Also kennen sie nur die Mina-Maske. Die, die sie sich für die Partys und Discoabende gebastelt hat. Gedämpftes Licht, viele leute, Lichefffekte, Alkohl und Zigarettenrauch hüllen sie dabei zusätzlich wie ein Schutzmantel um sie. Alles Maskerade, reines Versteckspiel! Niemand nimmt wahr, dass sie 3 T-shirts unter der Bluse und 2 Leggins unter der Hose trägt. Und selbst wenn....wen hätte es denn interessiert? Ihre langen Haare, ihr kokettes lachen - eigentlich ein verzweifelter Hilfeschrei - geben ihrer Maske den letzten Schliff. Auch wenn sie immer geübter in dieser Komödie wird, so erträgt sie es trotzdem kaum. Sie will diese Spielereien nicht mehr. Doch dann geschieht das unfassbare und Daniel tritt in ihr Leben. Anstatt ihr jedoch Wärme, Liebe oder Geborgenheit zu geben, ercshwert er alles nur noch mehr, macht alles noch komplizierter. Es gibt einfach nur eines in ihrem Leben, Ana, und das nahm allen Platz ein, duldete nichts anderes neben sich. Und als Daniel sie dann vor die Wahl stellt, er oder die Krankheit, wird ihr bewusst, dass sie Ana niemals aufgeben würde, sie war ihr Leben und vielleicht auch ihr Tod. Dafür liebte und hasste sie Ana gleichermaßen, denn der WEg mit ihr war ein einsamer, so schmal und unwegsam, dass daniel ihr bald nicht mehr flgen kann. Anstatt sie zu begleiten, weiter zu stützen, geht er zurück. Und so ist sie wieder mit Ana allein, die vor ihr herläuft, den Weg weist und dabei ihre Hand hält. Je weiter sie kommen, je unwegsamer die Strecke wird, je schwächer und elender Mina sich fühlt, desto mehr erscheint ihr Ana wie ein Engel.                Ihr Todesengel........vielleicht. Es kommt vor dass sie stolpert, hinfällt und am liebsten nie mehr aufstehen würde. Doch Ana ist einfühlsam, rücksichtsvoll, hilft ihr und hebt sie hch. Doch sie kann auch ungehalten und befehlend werden. Mina weiß, sie muss den WEg mit Ana bis zum Ende gehen. Anfangs hat sie dort ein strahlendes Tor oder eine bessere Welt, so etwas wie das Paradies, erwártet, doch nun weiß sie, mit 36 Kilo, am Ende des WEges ist kein Paradies, sondern der Tod. Ana beschleunigt ihre Schritte immer mehr, zieht die taumelnde Mina vorwärts, wird aggressiv wenn sie droht, zu Boden zu sinken und aufzugeben. Dann wird der Weg ebener. Sie sind auf der Zielgeraden. Dies wird Mina klar, als sie nach 2 Wochen keinem einzigen Bissen Nahrung das Wasser erbricht, das sie getrunken hat. Sie liegt noch im Bett und hat kaum die Kraft gehabt, die Flasche an die Lippen zu führen. Ihre Gliedmaßen fühlen sich an, als wären sie taub, völlig gefühllos. Wo ist ihr Handy? Sie braucht Hilfe. Jetzt sofort. Keinen notarzt, sondern jemanden, der einfach bei ihr ist. Sie findet ihr handy und wählt blind eine Nummer aus dem Verzeichnis aus. Daniel meldet sich. Mit schwerer ZUnge fleht sie ih an, zu kommen. Dann ist er da. In den Augen hat er TRänen, was Mina erschreckt und er kniet an ihrem bettrand. Er streichelt ihr Gesicht und sie geniest es, spürt jede Berührung unheimlich intensiv, als wären ihre Sinne überreizt. Ihr herz schlägt immer langsamer und sie wird auch immer ruhiger. Gelassener. Die verzweifelten Tränen von vorhin trocknen auf ihren Wangen. Sie schließt die Augen. Hört wie durch das Rauschen eines Wasserfalles hindurch Daniel...weint er? Und jetzt? Schlingt er seine Arme um sie oder sind es schon die Engel, die sie in den Himmel tragen? Wieder hört sie Daniel. Es sind keine Engel, sondern Daniel. Noch ist sie also am Leben. Sie atmet tief ein und aus. Saugt ein letztes Mal begierig sauerstoff in ihre Lunge. Dann spürt sie wie das Hertz endgültig stoppt und eine wohlige Wärme, wie sie sie niemals zuvor gespürt hat, ihren Körper durchströmt. Dann spürt sie Daniels Umarmung nicht mehr. Überhaupt ist jetzt Alles nur noch Nichts. Es ist vorbei.

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